Klarsprache – Verständliche Kommunikation in Text und Bild

Klarsprache bezeichnet die Art, Texte oder Bilder so zu gestalten, dass sie für eine bestimmte Zielgruppe leicht verständlich sind. Das Ziel ist es, dass Leser*innen, Betrachter*innen oder Zuhörer*innen die benötigten Informationen finden, verstehen und für ihre Zwecke nutzen können.

Klarsprache und Autismus

Für Menschen im Autismus-Spektrum ist Klarsprache besonders wichtig. Viele verstehen Sprache oft wörtlich und haben Schwierigkeiten mit Metaphern, Ironie, Sarkasmus sowie nonverbalen Signalen wie Mimik oder Tonfall. Sie bevorzugen klare, direkte Formulierungen, da verschachtelte Sätze, soziale Kontexte und implizite Botschaften (z. B. Höflichkeitsfloskeln) häufig zu Missverständnissen führen. Zudem kann es ihnen schwerfallen, die Absichten anderer zu erkennen, weshalb sie Aussagen oft konkret statt interpretierend verstehen.

Da Klarsprache immer an die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe angepasst wird, kann sie speziell für autistische Menschen so gestaltet werden, dass sie deren spezifische Kommunikationsanforderungen berücksichtigt.

Dazu gehören:

✔ Klare Satzstrukturen – Vermeidung von verschachtelten Sätzen und unnötigen Füllwörtern.

✔ Eindeutige Formulierungen – Verzicht auf mehrdeutige Aussagen, die eine zusätzliche Interpretation erfordern.

✔ Keine Redewendungen und Metaphern – Sätze wie „ein Auge auf jemanden werfen“ oder „den Löffel abgeben“ können Verwirrung stiften.

Klarsprache in Bildern

Klarsprache kann nicht nur auf Texte, sondern auch auf Bilder angewendet werden. Für viele Autist*innen, die visuelle Informationen besser verarbeiten, kann eine klare Bildsprache die Verständlichkeit deutlich erhöhen. Hier einige wichtige Prinzipien:

✔ Eindeutige Symbolik – Bilder sollten nicht zu abstrakt oder metaphorisch sein, sondern direkt zeigen, was gemeint ist.

✔ Klare Struktur – Weniger Ablenkung durch überflüssige Details, stattdessen klare Formen, Farben und Kontraste.

✔Einheitliche Gestaltung – Wiederkehrende Symbole und Stile helfen, Zusammenhänge zu verstehen.

✔ Weniger soziale Interpretation nötig – Emotionen oder komplexe soziale Situationen sollten möglichst direkt dargestellt werden.

✔ Unterstützung durch Text – Bilder können mit kurzen, eindeutigen Beschreibungen ergänzt werden.

Gute Beispiele für Bilder in Klarsprache

sind Piktogramme, die in der Unterstützten Kommunikation oder in barrierefreien Informationssystemen genutzt werden. Solche klaren Bilder können autistischen Menschen helfen, Informationen schneller zu erfassen und sich besser zu orientieren. Allerdings erfordern Piktogramme ein gewisses Abstraktionsniveau, was nicht alle Menschen im Autismus-Spektrum gleichermaßen beherrschen.

In solchen Fällen eignen sich Fotos oder realitätsnahe Illustrationen, wie sie beispielsweise von Inga Kramer erstellt werden. Diese Bilder bieten eine klare und realistische Darstellung ohne unnötige Ablenkungen.

Bilder von Inga Kramer und auf Instagram

Ein Beispiel für eine ungeeignete Bildgestaltung

wäre eine Darstellung, die den Wasserkreislauf mit einer verspielten Comic-Illustration zeigt – mit strukturlosen Informationen überladen, tanzenden Regentropfen und einer lachenden Sonne.

Bildquelle: https://www.usgs.gov/special-topics/water-science-school/science/der-wasserkreislauf-fur-schulen-water-cycle-schools

Warum ist das problematisch?

❌ Vermenschlichung von Gegenständen oder Tieren: Autist*innen denken faktenbasiert. Lachende Sonnen und tanzende Tropfen mit Gesichtern sind irrational. Das gleiche gilt für sprechende Tiere in Menschenkleidung.

❌ Ablenkung durch unnötige Details: Statt sich auf die Wasserverdunstung zu konzentrieren, könnten autistische Menschen aufgrund der vielen Reize die wichtigen Informationen nicht finden.

❌ Fehlende Klarheit: Ein schematisches Diagramm mit klaren Pfeilen und Beschriftungen wäre verständlicher als eine verspielte Darstellung.

Fazit

Klarsprache ist ein wichtiges Konzept, um Texte und Bilder so zu gestalten, dass sie für verschiedene Zielgruppen verständlich sind. Besonders für Menschen im Autismus-Spektrum kann Klarsprache die Kommunikation erheblich erleichtern, indem sie klare, eindeutige und vorhersehbare Informationen bereitstellt. Egal ob in Texten oder Bildern – je klarer und direkter die Sprache ist, desto inklusiver und barrierefreier wird die Kommunikation für alle.

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