Autismus und Pareidolie

Können Menschen im Autismus Spektrum pareidolische Gesichter erkennen?

 

 

 

 

 

 

 

 

Pareidolie ist ein psychologisches Phänomen, bei dem eine zufällige und oft vage visuelle oder akustische Stimulation vom Gehirn als etwas Strukturiertes oder Bekanntes interpretiert wird.

Mit anderen Worten neigen Menschen dazu, in Objekten oder Geräuschen Muster oder vertraute Formen zu erkennen, die in Wirklichkeit nicht vorhanden sind.

Ein häufiges Beispiel für Pareidolie ist das Erkennen von Gesichtern in Mustern, wie zum Beispiel in Wolken, Steinen oder Baumrinden. Menschen sind evolutionär darauf programmiert, Gesichter besonders schnell zu erkennen, und diese Neigung führt dazu, dass sie auch in nicht-menschlichen Objekten Gesichter sehen können.

Es ist wichtig zu beachten, dass Pareidolie ein normales und weit verbreitetes Phänomen ist. Es zeigt einfach, wie das Gehirn dazu neigt, Muster zu erkennen und Sinn zu konstruieren, auch wenn keine klaren Hinweise vorliegen.

Es ist hinlänglich bekannt, dass Menschen im Autismus-Spektrum häufig Schwierigkeiten haben, Emotionen und Mimik zu erkennen und zu interpretieren. Ausgehend von diesem Umstand entsteht die Fragestellung, ob Menschen im Autismus-Spektrum pareidolische Gesichter erkennen können.

Ryan et al. (2016)* untersuchten dies in einer Studie und fanden heraus, dass Kinder im Autismus Spektrum signifikant weniger pareidolische Gesichter identifizieren als neurotypische Gleichaltrige.

Es wäre jedoch nicht korrekt, zu verallgemeinern, dass alle Autisten Schwierigkeiten mit der Pareidolie oder der Erkennung von Gesichtern haben.

 

 

*Ryan, C., Stafford, M. & King, R. (2016). Brief report: Seeing the Man in the moon: Do children with autism perceive pareidolic faces? A pilot study. Journal of Autism and Developmental Disorders, 46(12), 3838–3843. https://doi.org/10.1007/s10803-016-2927-x

 


 

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