Das Buch, das sich vorwiegend an hochfunktionale Autisten oder Menschen mit Asperger-Syndrom richtet, bietet eine ehrliche und ungeschönte Einsicht in das Leben und die Herausforderungen autistischer Menschen in einer überwiegend neurotypischen Gesellschaft. Tom Harrendorfs biografische Schilderungen sind packend und aufrichtig, teilweise amüsant und größtenteils bedrückend. Sie vermitteln dem neurotypischen Leser ein tiefes Verständnis dafür, wie es sich anfühlt, „anders“ zu sein – anders in einer neurotypischen Gesellschaft, aber auch innerhalb der autistischen Community. Besonders Leser, die selbst im Autismus-Spektrum sind, werden in vielen Situationen und Gedanken des Autors ihre eigenen Erfahrungen wiederfinden und sich verstanden fühlen. Außerdem machen die autobiographischen Schilderungen das Buch zu einer kurzweiligen Lektüre, die man nur ungern aus der Hand legt.
Das Buch zeigt dabei unmissverständlich, wie wichtig eine gelungene Integration und eine unterstützende Begleitung für Betroffene sind, um sich einerseits in einer neurotypischen Welt zurechtzufinden, aber andererseits auch vor ihr geschützt zu werden – Schutz vor verbalen und körperlichen Übergriffen, vor Diskriminierung und Stigmatisierung sowie vor sozialer Isolation. Ein zentrales Thema ist die Schwierigkeit, seinen Platz sowohl in der neurotypischen Gesellschaft als auch in der autistischen Community zu finden. Tom thematisiert eindrucksvoll die Herausforderungen, denen sich autistische Menschen stellen müssen, und vermittelt gleichzeitig den Wert von Eigeninitiative. Er ermutigt, sich nicht in einer Opferrolle zu verlieren, sondern, wenn möglich, aktiv Schritte zur Verbesserung der eigenen Lebenssituation zu unternehmen. Dies geschieht jedoch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf eine Weise, die Mut macht und realistische Möglichkeiten aufzeigt.
Besonders hervorzuheben ist das Interview am Ende des Buches. In dem Interview werden wichtige, oft unausgesprochene Aspekte in Toms durch und durch vernünftiger Sichtweise auf Autismus und Gesellschaft erörtert. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Buch bis zur letzten Seite zu lesen.
Ausgrenzung und Anfeindung führen immer zu nur noch stärkerer Radikalisierung und Lagerbildung.
Tom Harrendorf

