zur Sache mit dem Schlafen

eine Sammlung von Strategien gegen Schlaflosigkeit bei Menschen mit Autismus

Menschen mit Autismus leiden sehr häufig unter Schlafproblemen. Das können Einschlaf – und/oder Durchschlafprobleme sein. Ich habe mit Absicht den Begriff „leiden“ gewählt, weil der Leidensdruck der Betroffenen und deren Angehörigen oft sehr hoch ist.

Deswegen habe ich eine Sammlung von Maßnahmen erstellt, die helfen können, in den Schlaf zu finden und/oder durchzuschlafen. Da jeder Mensch individuell ist, gibt es keine allgemeingültige Maßnahme. Ich empfehle daher, einfach auszuprobieren.

Oft ist eine Kombination aus mehreren Maßnahmen sinnvoll.

Tiefendruck

Die Tiefensensibilität (auch propriozeptive Wahrnehmung) ist die Wahrnehmung bestimmter Reize aus dem Körperinneren. Dabei handelt es sich überwiegend um die Eigenwahrnehmung des Körpers. Ist diese unzureichend entwickelt, benötigt es mehr Druck von außen, um sich wahrzunehmen und zu entspannen.

  • Gewichtsdecken

Diese bekommt man im Fachhandel. Die Empfehlung lautet, sie sollen 10% des Körpergewichts des Benutzers wiegen. Aber auch dies ist nicht festgeschrieben, der eine braucht mehr, der andere weniger

  • Lycra Compression Bed Sheet

Dabei handelt es sich um einen elastischen Schlauch, der über die Matratze gezogen wird. Zum Schlafen schlüpft man unter den Schlauch und erhält dadurch gleichmäßigen Druck auf den ganzen Körper. Der Schlauch kann im Fachhandel bestellt werden, allerdings kann er auch relativ einfach selbst genäht werden.

Lycra Compression Bed Sheet (Bild: thetherapystore.com.au)

Das Anfertigen eines elastischen Schlauches ist was für Hobbynäherinnen. Man verwendet dafür einen festen, aber trotzdem bi-elastische Stoff (sehr gut eignet Lycra, ein Stoff für Badebekleidung, erhältlich im Stoffgeschäft). Für ein 90cm breites Bett, näht man einen 90cm breiten Schlauch, den man über die Matratze zieht.

Eine einfache Anleitung finden Sie z.B. hier: http://www.thehappyflammily.com/2017/06/diy-lycra-compression-bed-sheets-for.html

Bild: wunsch-kind.at
Bild: intramed.net
  • Umgrenzung des Körpers

durch Kissen und eingerollte Decken erzeugen.

Auch u-förmige Seitenschläferkissen erfüllen diesen Zweck.

Kalte Füße

Mit kalten Füßen kann man nicht schlafen! Da kommt dann die gute alte Wärmflasche zum Zug. Entweder an den Füßen, am Bauch oder am Rücken kann sie wahre Einschlafwunder bewirken.

Auditiv

  • Ruhe / Stille

Machen Menschen brauchen absolute Stille beim Einschlafen. Deshalb kann es schwierig sein, wenn sie nicht alleine im Raum sind oder sie Fernsehgeräusche aus dem Nebenzimmer hören. Gerade Fernsehgeräusche, wie Filmmusik, können sehr beängstigend und beunruhigend sein.

 Auch Geräte, die auf Standby geschaltet sind, geben permanent ein Geräusch ab.

  • Hintergrundgeräusch

Andere wiederum brauchen eine angenehme Geräuschkulisse zum Einschlafen. Diese dient u. U. auch dazu, unkontrollierbare Geräusche auszublenden. Leise Musik, ein Hörbuch usw. können da gute Dienste leisten. Auch beruhigende Geräusche der Familie, wie die Stimmen der Eltern, können die Sicherheit vermitteln, die zum Entspannen und Einschlafen benötigt wird.

Licht / Beleuchtung

Melatonin (das Schlafhormon, näheres weiter unten) wird vom Körper bei Dunkelheit freigesetzt. Also kann zu viel Licht dazu führen, dass zu wenig Melatonin ausgeschüttet wird. In diesem Fall sind dunkle Schlafräume förderlicher zum Einschlafen. Das funktioniert allerdings nicht, wenn jemand Angst vor der Dunkelheit hat!

Reizarmer Schlafraum

Das gilt wie schon erwähnt für Geräusche und Licht, aber auch für Ordnung. Vollgeräumte Kinderzimmer können das Wahrnehmungssystem überfordern.

Rituale und Routinen

Das können einerseits traditionelle Einschlafrituale wie das Vorlesen eines Buches, das Singen von Schlafliedern oder Gebete sein. Sie geben Sicherheit und Kontrolle.

Aber auch bestimmte Stereotypien (Wippen, Kopfdrehen usw.) können beim Einschlafen helfen und sollten daher nicht unterbunden werden. Man spricht hier von Jaktationen.

Rituale und Routinen bedeuten, dass sie jeden Abend, unabhängig ob Mama, Papa oder Oma es machen, in gleicher Weise stattfinden. Auch die Reihenfolgen der Rituale und Routinen sollten unbedingt eingehalten werden. Ein visueller Zeitplan für das Abendritual kann zusätzlich helfen.

Beispiel mit Metacom-Symbolen (mit eigenen Fotos wird so ein Plan natürlich viel ansprechender)

Angst

Schlaf bedeutet auch immer Kontrollverlust. Das kann durchaus Angst machen. In diesem Fall ist die mögliche Lösung, den Betroffenen Sicherheit zu vermitteln. Das Beisein einer Vertrauensperson, die meinen Schlaf bewacht, kann entspannend wirken und das Einschlafen ermöglichen.

Kommunikation!

Sprechen Sie mit Ihrem Kind/Angehörige/Menschen, dem sie assistieren über das Thema Schlaf. Erklären Sie, warum, wann und wo man schläft und dass Schlaf nichts Gefährliches ist.

Vielleicht kann der Betroffenen auch kommunizieren, was ihn am Schlafen hindert. Wenn noch niemand danach gefragt hat, gab es bisher vielleicht keinen Grund dies zu äußern. Nicht jede Kommunikation findet verbal statt. Oft zeigt das Verhalten, wo das Problem liegt. Beispiel: Wenn es dem Betroffenen nicht möglich ist, liegen zu bleiben, kann eine Gewichtsdecke genau das Richtige sein.

Versuchen Sie gemeinsam (!) eine Strategie zu entwickeln, die einen gesunden Schlaf ermöglicht.

Melatonin

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, welches bei Dunkelheit ausgeschüttet wird und so den Schlafrhythmus regelt. Wenn nicht genug eigenes Melatonin produziert wird, kann es als Tablette zugeführt werden. Momentan wird unter den Produktnamen Slenyto® ein Produkt vertrieben, welches für Kinder ab zwei Jahren zugelassen ist. Es wird dann eingesetzt, wenn nicht medikamentöse Maßnahmen nicht wirken.

Melatonin kann auch dazu dienen, einen Schlafrhythmus zu erlernen und muss daher nicht immer eingenommen werden. Manchmal reichen ein paar Tage aus, um den Körper an eine Einschlafzeit zu gewöhnen.

Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten

Wenn bestimmte Lebensmittel nicht gut vertragen werden, sollten sie vermieden werden. Besonders Zucker, Gluten und Kasein sind oft für Schlafprobleme verantwortlich.

Baden

Manchmal hilft ein beruhigendes Bad vor dem Schlafengehen

Keine aufregenden Spiele vor dem Schlafengehen.

aufregende Spiele oder Filme sollten vor dem Schlafen gemieden werden

Wer lange genug einen schlaflosen Menschen begleitet hat, leidet unter Schlafentzug und gefährdet seine Gesundheit. Vielleicht finden Sie eine Möglichkeit, Verwandte oder Freunde zu Hilfe zu holen, damit Sie hie und da durchschlafen können.

Manche Menschen mit Autismus benötigen unsere Aufmerksamkeit während ihrer nächtlichen Wachzeiten gar nicht. Dann reicht es oft aus, den Schlafraum „sicher“ zu gestalten, damit der Betroffenen sich nicht verletzen kann. Menschen mit Weglauftendenzen sollten allerdings keinesfalls in ihren Zimmern eingeschlossen werden! Dann empfiehlt es sich im gleichen Raum zu schlafen, sodass im Notfall die Tür von Ihnen geöffnet werden kann.

Es kann mehrere Tage oder Wochen dauern, bis Maßnahmen wirken. Neuerungen bedeuten immer Veränderung und das Ablegen von Gewohnheiten. Haben Sie also Geduld und erwarten Sie keine Wunder von Heut auf Morgen.

1 Kommentar

  1. Schlafmangel kann viele verschiedene Ursachen haben, darunter körperliche Erkrankungen und Beschwerden, psychische Störungen und äußere Faktoren. In einigen Situationen können sie sich überschneiden, was es schwierig macht, die Ursache des Schlafmangels zu lokalisieren. Einer der Hauptgründe können Schlafstörungen sein, insbesondere Schlaflosigkeit. Es ist ein ernstes Problem mit einer Reihe von negativen Folgen für die Gesundheit und die allgemeine Lebensqualität.

    Gewichtsdecken helfen. Es lohnt sich es auszuprobieren.

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